Neubau in Holzhybridbauweise
Offenes Haus für Landkreis und Bürgerschaft
Mit dem Ersatzbau des Landratsamts Miesbach wurde ein öffentliches Verwaltungsgebäude realisiert, das Bürgernähe, Nachhaltigkeit, flexible Arbeitswelten und regionale Identität miteinander verbindet. Das zuvor auf mehrere Standorte im Stadtgebiet Miesbachs verteilte Landratsamt wurde an einem zentralen Ort gebündelt. Entstanden ist ein Haus, das die Arbeit der Verwaltung effizienter organisiert und zugleich für Bürgerinnen und Bürger offen, verständlich und einladend wirkt.
Städtebauliche Situation
Der Neubau befindet sich an der Münchner Straße in Miesbach, in unmittelbarer Nähe zu bestehenden, teilweise denkmalgeschützten ebenfalls vom Landratsamt genutzten Verwaltungsgebäuden. Diese städtebauliche Situation war für den Entwurf prägend. Das Gebäude sollte nicht als isolierter Verwaltungsbau erscheinen, sondern als neuer Baustein eines gewachsenen Ensembles. Auch deshalb wurde der Baukörper in zwei unterschiedlich ausgeformte Teile gegliedert: Ein viergeschossiger Gebäudeflügel mit Satteldach und überwiegend heller Putzfassade nimmt die Maßstäblichkeit und Dachform der umgebenden Bebauung auf. Daran schließt ein dreigeschossiger Baukörper mit begrüntem Flachdach und hölzerner Fassade an, der sich zum grünen Innenhof orientiert. Gemeinsam bilden die Gebäudeteile eine C-förmige Anlage, die den Außenraum fasst und zugleich Rücksicht auf den wertvollen, denkmalgeschützten Baumbestand nimmt.
Holzhybridbau
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die Realisierung als Holzhybridbau. Die Konstruktion verbindet die Vorteile einer Stahlbeton-Tragstruktur mit den ökologischen, bauphysikalischen und atmosphärischen Qualitäten des Holzbaus. Die tragenden Stützen und Decken wurden in Stahlbeton ausgeführt. Diese Bauteile sorgen für robuste Lastabtragung, hohe Speichermasse und eine gute Grundlage für flexible offene Grundrisse. Die Außenwände des Landratsamts wurden dagegen als Holzrahmenbauelemente ausgebildet. Insgesamt kamen rund 300 Holzelemente zum Einsatz. Das verwendete Holz stammt aus regionalen Bezugsquellen. Damit wurde ein nachwachsender Baustoff dort eingesetzt, wo seine Stärken besonders wirksam werden: in einer gut dämmenden, vorfertigbaren und ressourcenschonenden Gebäudehülle.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit zeigt sich im Projekt damit auf mehreren Ebenen. Sie liegt in der Wahl einer Holzhybridbauweise, in der dauerhaften und anpassungsfähigen Tragstruktur, in der vorgefertigten Holzgebäudehülle, in begrünten Dachflächen, Photovoltaikflächen und in einer Gebäudetechnik, die auf Effizienz und Komfort ausgerichtet ist. Ebenso wichtig ist jedoch die soziale Nachhaltigkeit: Das Gebäude wurde so geplant und realisiert, dass es viele Jahre funktionieren, sich wandelnden Arbeitsformen anpassen und zugleich ein Ort sein kann, an dem Bürgerinnen und Bürger Verwaltung als erreichbar und serviceorientiert erleben.
Haltung
Das neue Landratsamt Miesbach versteht Holzbau daher nicht allein als konstruktive Entscheidung, sondern als Haltung. Holz steht hier für Ressourcenschonung, regionale Verankerung, handwerkliche Qualität und eine warme Atmosphäre. In Verbindung mit massiven Bauteilen, klarer Organisation, offenen Freiräumen und einer effizienten Gebäudetechnik entstand ein Verwaltungsgebäude, das technische Anforderungen erfüllt und zugleich für die Menschen im Landkreis verständlich und zugänglich bleibt. Es zeigt, wie öffentlicher Holzbau nicht nur nachhaltig, sondern auch identitätsstiftend sein kann.
2020-2026
Wettbewerb 2018
Auftraggeber: Landkreis Miesbach
Teamleitung: Kristina Jeske
Projektleitung: Kathrin Ametsbichler, Stephanie Gackstatter, Michael Bayer, Xiarong Song
Mitarbeit Planung: Edurne Bona, Xiaorong Song, Hengyu Yang, Susanne Günther, Ying Zhai
Freianlagenplanung: Schegk Landschaftsarchitekten BDLA | Stadtplaner, Haimhausen
BGF: 8.174,4 m²
BRI: 34.985 m³
















