Neubau einer Wohnanlage mit Gemeinschaftshaus mit Wohnraum für ca. 400 Studierende

Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen

Aufgabe

Die Planungsaufgabe bestand darin, neue Wohngebäude für Studierende in eine bestehende Wohnanlage zu integrieren, die direkt an ein Landschaftsschutzgebiet grenzt. Der Entwurf begegnet dieser Herausforderung mit einer sensiblen baulichen Verdichtung: Die neuen einzelnen Baukörper fügen sich durch ihre Kleinteiligkeit in das vorhandene Gefüge ein und reagieren in Maßstab, Ausrichtung und Gestaltung auf den Bestand.

So entstand aus dem Zusammenspiel von bestehenden und neuen Gebäuden eine zusammenhängende, funktionale Struktur, die den Charakter des Ortes bewahrt und gleichzeitig zukunftsfähigen Wohnraum schafft.

Studierendenwohnanlage Campus Süd, Erlangen

Preise

Im Jahr 2013 gewann karlundp gemeinsam mit dem Berliner Büro TOPOS – Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung den 1. Preis in einem nicht offenen, einstufigen Realisierungswettbewerb für den Neubau einer Wohnanlage für Studierende auf dem Campus Süd in Erlangen.

Der Entwurf setzt bewusst auf die Weiterführung des fast dörflichen Charakters der bestehenden Anlage. Neue Wohngebäude mit quadratischem Grundriss von etwa 23 × 23 Metern und variierenden Höhen ergänzen die vorhandenen Studierendenwohnhäuser auf behutsame Weise.

Nach einer rund fünfjährigen Bauzeit wurde die Wohnanlage fertiggestellt und im Jahr 2022 mit dem Baukulturpreis der Stadt Erlangen ausgezeichnet.

Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen

Idee

Das städtebauliche Konzept gliedert die neuen Wohneinheiten in sechs Gebäude mit drei bis acht Geschossen. Durch die gezielte Verdrehung der Baukörper gegenüber den bestehenden Gebäuden entsteht eine lebendige Verzahnung, die ein vielfältiges Zusammenspiel von Baukörpern und Freiräumen schafft.

Im Zentrum der Anlage befindet sich ein dreigeschossiges Haus mit gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen. Die kompakte, flächensparende Bauweise ermöglichte den weitgehenden Erhalt des vorhandenen Baumbestandes und trägt so zum grünen Charakter der Anlage bei.

Insgesamt wurden 410 Wohnplätze realisiert, davon 372 Einzelapartments, inklusive zwei rollstuhlgerechter Einheiten, sowie 38 Plätze in zehn Wohngruppen mit jeweils drei bis vier Studierenden. Die durchdachte Anordnung der Apartments erlaubt eine natürliche Belichtung der Flure in den Wohngeschossen. Die oberen Geschosse der weiteren Häuser, die ausschließlich Wohnzwecken dienen, verfügen über nahezu identische Grundrisse.

Kleine Loggien auf jeder Ebene, deren Position von Geschoss zu Geschoss leicht variiert, strukturieren die Fassaden und bieten den Studierenden private Aufenthaltsbereiche im Freien. Die notwendigen Treppenräume wurden als außenliegende Sicherheitstreppenhäuser konzipiert, wodurch ein zweiter Treppenraum entfallen konnte. In den Erdgeschossen sind offene, überdachte Fahrradstellplätze, zwei Müllsammelräume, zwei Hausmeisterwohnungen sowie Technik-, Abstell-, Wasch- und Aufenthaltsräume jeweils dezentral auf die Gebäude verteilt.

Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen

Holz

Die Fassadengestaltung aus unbehandeltem Lärchenholz verleiht der Wohnanlage nicht nur ein eigenständiges und lebendiges Erscheinungsbild, sondern schafft auch eine starke gestalterische Verbindung zum angrenzenden Kiefernwald. Die Materialität sorgt für eine harmonische Einbettung in den landschaftlich geprägten Kontext und unterstreicht den ökologischen Anspruch des Projekts. Die sechs Neubauten mit bis zu acht Geschossen wurden in ressourcenschonender Holz-Hybridbauweise errichtet – konsequent ohne Untergeschosse, um Eingriffe in den Boden zu minimieren. Die tragende Struktur besteht aus Stahlbeton, ergänzt durch leichte Trennwände in Trockenbauweise und vorgefertigte Nasszellen. Die Außenwände wurden als großformatige Fassadenelemente in Holzrahmenbauweise mit werkseitig eingebauten Fenstern vorproduziert. Diese geschosshohen Elemente, mit Längen von bis zu 12 Metern, ermöglichten eine deutlich verkürzte Bauzeit, reduzierten den Baustellenverkehr und trugen somit zur Minimierung der Emissionen während der Bauphase bei. Durch den gezielten Einsatz von CO2-bindendem Holz als primärem Baustoff konnte ein wesentlicher Beitrag zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks geleistet werden.

Wohnen im Grünen

Die überschaubare Größe der einzelnen Gebäude begünstigt das Wohnen in kleinteiligen Gruppen und schafft eine wohnliche, fast familiäre Atmosphäre. Auf jeder Ebene sorgen kleine Loggien für zusätzliche Aufenthaltsbereiche und fördern zugleich die nachbarschaftliche Kommunikation. Die konsequente Südorientierung der Gebäude sowie bodentiefe Fenster gewährleisten helle Innenräume und tragen zu einer gleichwertigen Licht- und Wohnqualität in allen Einheiten bei. Bodentiefe Fenster und die gezielte Verdrehung der Häuser ermöglichen darüber hinaus aus sämtlichen Wohnräumen interessante und anregende Ausblicke in die grün geprägte Landschaft. Ein zentral gelegener Platz mit einer Cafeteria und einem Veranstaltungsbereich im bzw. am „Gemeinsamen Haus“ bildet das kommunikative Zentrum der Wohnanlage und stärkt das soziale Miteinander.

Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen

Am 04.07.2022 wurde unser Projekt mit dem Baukulturpreis der Stadt Erlangen 2022 ausgezeichnet!

Wir freuen uns nun zusammen mit unserer Bauherrschaft unseren Freianlagenplanern TOPOS Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin, über diese besondere Auszeichnung!

Jurybewertung:

Das dargestellte Projekt resultiert aus einem ausgeschriebenen Wettbewerb und wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Über die anschließende Beauftragung der Architekten und Landschaftsarchitekten über alle Leistungsphasen der Objektplanung Gebäude und Freianlagen wurde die Planung zur Realisierung geführt. Die hohe Planungskultur spiegelt sich im fertiggestellten Ergebnis wieder.

Gebäude, Freiräume und Erschließungen bilden eine dem Ort und der Aufgabe höchst angemessene ästhetische Einheit. Als plastisches Ensemble mit klarer Architektursprache in Kombination mit geschickten, beinah lässig wirkenden, Freianlagen mit weich geschwungenen Wegen, besetzt es den Ort. Der Kontrast zwischen baulicher Dichte und Offenheit der grünen Zwischenräume, durchsetzt von einzelnen Baumgruppen aus Kiefern, erzeugt spannungsvolle Kontraste.

Die relativ kleinteilige Nutzung für studentisches Wohnen wird in vielerlei Hinsicht vorbildhaft umgesetzt. In den Erdgeschosszonen, wie auch über die Geschosse verteilt, entstehen Orte der Gemeinschaft. Mal für aktivere Nutzungen, mal als nutzungsoffene Freisitze mit Ausblick. In einem der Gebäude bildet ein Café mit Gastrobereich einen frequentierten Bezugsort für die Gesamtanlage. Das Ensemble ist somit von übergeordneter gesellschaftlicher Wirkung. Die raffinierten architektonischen Maßnahmen lassen trotz des temporären Wohnens eine positive Nachbarschaftsbildung erwarten. Auch in der Materialität besticht das Gebäudeensemble. Als Holzhybridbau mit massivem Kern und einer vorgefertigten Fassade aus Holz setzt es ein Zeichen in Bezug auf die Verwendung ökologisch nachhaltiger Baustoffe.

Lobenswert ist die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum bei gleichzeitig gemeinschaftlichen Angeboten zur Kompensation der minimierten Wohnflächen. Die Freiflächen dienen nach dem Prinzip der Schwammstadt als Retentionsflächen und erzeugen mit ihrer kühlenden Wirkung ein günstiges Mikroklima. Die kompakte Bauweise sichert eine gebotene kosteneffiziente
Herstellung bei gleichzeitig hoher architektonischer Qualität.

In der Gesamtheit erfüllt das Projekt vorbildhaft alle genannten Kriterien.

>2022 Baukulturpreis_Broschüre

Am 26.09.2023 wurde die Stadt Erlangen vor allem für Wettbewerbe mit dem Ausloberpreis 2023 der Bayerischen Architektenkammer geehrt. Im Zuge der Ehrung und um der Öffentlichkeit das Wettbewerbsgeschehen in und um die Stadt Erlangen zu Gehör zu bringen, wurde anlässlich der Ehrung auch ein Audioguide veröffentlicht, bei dem auch unser realisierter Wettbewerbserfolg, die Erweiterung der bestehenden Wohnanlage auf dem Campus Süd in Erlangen, als Projekt Nr. 13 vorgestellt wird.

>Zum Audioguide für Projekt Nr. 13

2013-2018

Wettbewerb 2013: 1. Preis
Auszeichnung 2022: Baukulturpreis der Stadt Erlangen

Auftraggeber: Studentenwerk Erlangen-Nürnberg, Erlangen

Projektleitung: Cornelia Oswald
Stellvertretende Projektleitung: Ina Philipp

Mitarbeit:  Lisa Dehoust, Sandra Humanes, Lorena Koch, Jennifer Reinfeld

Landschaftsarchitektur: TOPOS-Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin
Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt BDLA SRL Stephan Andreas Buddatsch

Fotografie: Jens Weber

BGF: 17.171 m²
BRI:  52.523 m³

Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen
Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen
Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen
Wohnanlage für Studierende, Campus Süd, Erlangen
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