Sanierungs- und Umbaumaßnahmen des denkmalgeschützten Gebäudes

Aufgabe

Das Gebäude des Edith-Stein-Gymnasiums wurde 1908 vom Orden der Frauen vom Guten Hirten als Fürsorgeheim für 180 Zöglinge errichtet. Nach der Umsiedlung des Ordens im Jahre 1965 wurde das Gebäude renoviert und seit 1967 als Schulgebäude des Edith-Stein-Gymnasiums genutzt. Bis zum Jahre 2000 wurde die Schule von Dominikanerinnen geleitet, danach übernahm die Erzdiözese München und Freising die Trägerschaft.

Das Gymnasium befindet sich auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums im Münchner Stadtteil Haidhausen und steht unter Denkmalschutz. Ziel der Sanierung war es, bestehende bauliche Defizite in den Bereichen Barrierefreiheit, Brandschutz, Raumakustik und sommerlicher Wärmeschutz zu beheben und sowohl die Haustechnik als auch die Ausstattung zu erneuern.

Gleichzeitig wurden mit der Sanierung Möglichkeiten für moderne Unterrichtsformen geschaffen und so die Attraktivität der Schule gesteigert. Die damit verbundene Reduzierung notwendiger Lehrräume bietet die Möglichkeit, neue Kommunikationsflächen im Gebäude zu schaffen.

Klassenraum

Idee

Die in den 80er Jahren durchgeführte Erweiterung des Gebäudes führte zu einem äußerst kompakten Baukörper mit innenliegenden Flurzonen ohne Tageslichteinfall. Um Licht, Helligkeit und Großzügigkeit in das Innere des Gebäudes zu bringen, wurde zwischen den beiden bestehenden Treppenräumen ein Atrium mit Oberlicht eingeschnitten, das auch in den angrenzenden Galerien und Fluren für Helligkeit sorgt. Zusätzlich wurden geschossweise alternierende Kuben eingehängt, die über die Galerien erschlossen werden und sich zum Atrium hin öffnen.

Diese sogenannten „Lernboxen“ stellen sowohl einen Begegnungs- als auch einen Rückzugsort für die Schülerinnen dar. Hier kann in Kleingruppen gearbeitet, gelernt und gelacht werden.

Klasseneingang mit Einbaumöbeln

Umbau

Bei der Konstruktion des Gebäudes handelt es sich um einen verputzten, fünfgeschossigen Mauerwerksbau mit großen Fensteröffnungen. Im Untergeschoss befinden sich neben Technik- und Abstellräumen auch diverse Unterrichtsräume. Das Erdgeschoss beinhaltet Aula, Pausenverkauf, Räumlichkeiten für Verwaltung und Lehrkräfte sowie zwei Klassenräume. In den vier Obergeschossen sind weitere Klassenräume, Fachklassen und Tagesheimräume untergebracht. Der ungenutzte Dachraum bleibt der neuen Lüftungstechnik vorbehalten.

Die Tragstruktur wird bestimmt von Ziegelmauerwerk mit Stahlträgerdecken, die weitgehend erhalten werden konnten. Die neu hinzugefügten, auskragenden Konstruktionen der Lernboxen bestehen aus vor Ort betonierten Stahlbetondecken, die über die Bewehrung an den Bestand zurückgehängt wurden.

In Abstimmung mit der Denkmalpflege wurden neue Fenster als Holzfenster mit Isolierverglasung und außenliegendem Sonnenschutz ausgeführt. Die Profilausbildung, Fensterteilung und Farbgebung der Fenster wurden in Ermangelung von Originalen gemäß historischer Vorbilder festgelegt. In den Unterrichtsräumen bieten rot gerahmte Schreinereinbauten Platz für neue technische Einrichtungen, Schränke und Garderoben.

Blick zum Oberlicht

Mitte

Der neu gewonnene Innenraum erstreckt sich als Mittelachse der Schule vom ersten Obergeschoss bis ins Dachgeschoss und wird über das Oberlicht großzügig belichtet. Neben den eingehängten Lernboxen wurden im ersten Obergeschoss zwei weitere Lernboxen ebenerdig errichtet. Alle Boxen wurden jeweils mit einer festen Möblierung, Beleuchtung und Stromversorgung ausgestattet. Zur Verbesserung der Hörsamkeit wurden im Atrium geschossübergreifend zwei große Wandabsorberflächen angebracht.

Diese erinnern zugleich an die Namenspatronin der Schule „Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht.“ Mit diesem Zitat Edith Steins wird der Bogen zu einem bestehenden Wandmosaik geschlagen, welches sich in der im Erdgeschoss situierten Aula befindet. Das in den 80er Jahren von der Künstlerin Braun von Stransky geschaffene Werk bezieht sich auf Lebensstationen von Edith Stein. Aufwändig saniert und technisch auf Stand gebracht, bietet die Aula mit Bühne und Bestuhlung nun Raum für Konzerte, Theater und sonstige schulische Veranstaltungen.

Farbe

Bei der Sanierung des Gebäudes wurde in Anlehnung an die Historie für Fassaden, Fenster und Türen eine zurückhaltende, helle Farbigkeit gewählt, die mit den zu erhaltenden Bodenbelägen aus beigen Zementplatten in den Fluren und dem hellem Jurakalkstein der Treppenstufen im Einklang steht. So zeigt sich das Gebäude nach Abschluss der Arbeiten mit hellen Kalkputzfassaden, Fallrohren und Fensterbänken aus Kupferblech, Holzfenstern und Eingangstüren in Grau- und Weißtönen, Handläufen in Eichenholz und Rahmentüren mit champagnerfarbenen Eloxaloberflächen.

Der Eingriff in die Gebäudestruktur, das neue Atrium, wurde hingegen bewusst mit einem starken Farbkontrast unterlegt. Der Linoleumbelag und die Lernboxen einschließlich der darin fest verbauten Sitz-Tischkombination sind in satten Rottönen aufeinander abgestimmt. Dieses in die Mitte gesetzte Rot mit seiner belebenden Signalwirkung schafft einen eigenständigen Gegenpol zu der ansonsten eher ruhigen Farbgebung und Ausstrahlung des Schulgebäudes.

2015-2018

Vergabe-Verfahren 11/2015

Auftraggeber: Erzbischöfliches Ordinariat, München

Teamleitung: Katrin Kratzenberg

Projektleitung: Ina Philipp

Mitarbeit: Alexandra Löchelt, Barbara Maurer, Gabor Pulai, Diana von Roon

Fotografie: Jens Weber, München

BGF: 7.520,21 m²
BRI: 34.300,81 m²

Atrium
Fassade Nord
Treppenaufgang
Atrium mit Lernboxen
Flur mit Lernbox